Samstag, 1. Oktober 2005

Psychische Belastungen von Flüchtlingen

Nach wissenschaftlich dokumentierten Untersuchungen leiden bis zu 40% aller Flüchtlinge an einem Trauma, einer schweren seelischen Belastung, die durch das im Heimatland Erlebte, aber auch durch die Gefahren der Flucht und die Ungewißheit, was mit ihnen in Deutschland passiert, ausgelöst bzw. verstärkt wird. Diejenigen Flüchtlinge, die schwere Verfolgung, eventuell Folter, oder geschlechtsspezifische Diskriminierung erlebt haben, aber auch solche, die wegen ihrer sexuellen Orientierung in ihrer Heimatkultur geächtet waren, neigen nach den gleichen Untersuchungen dazu, diese schwerwiegenden Erlebnisse nicht zu berichten. Oft kulturell bedingt, ist es ihnen absolut unmöglich, in der fremden Umgebung, gegenüber einem Beamten einer "Staatsmacht", offen über erlittene Folter oder sexuelle Diskriminierung zu berichten. Zugleich wirkt das Trauma der Verfolgung und der Flucht noch Monate und Jahre nach der Ankunft in Deutschland nach.
Es ist äusserst schwierig, diese psychischen Belastungen zunächst einmal in einer ersten Stufe zu erkennen, um sodann in einer zweiten Stufe eine fachärztlich kompetente Diagnose zu erhalten. Die sogenannte "posttraumatische Belastungsstörung" wird zwar von Therapeuten, Psychologen und Fachärzten für Psychiatrie immer sehr gut erkannt und entsprechend den Richtlinien der Ärztekommission und der Weltgesundheitsorganisation genau diagnostiziert; Asylbehörden und Verwaltungsgerichte tun sich jedoch schwer, diese Diagnosen anzuerkennen. Das "Bundesamt für Migration und Flüchtlinge" ist aller Erfahrung nach nicht bereit, selbst das Attest eines Facharztes für Psychiatrie und Neurologie ohne Vorbehalte anzuerkennen. Die Betroffenen sind dann gezwungen, Klage vor dem Verwaltungsgericht zu erheben. Dort treffen sie sehr oft -insbesondere dann, wenn sie von einem Rechtsanwalt vertreten werden, der den Fall nachlässig und nicht kompetent vertritt- auf Richter, die zunächst skeptisch sind und subtil unterstellen, bei dem fachärztlichen (!) Attest handele es sich um eine Gefälligkeitsbescheinigung. Es empfiehlt sich daher dringend, bei Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung mit dem behandelnden Therapeuten rechtzeitig Kontakt aufzunehmen, um ein ausführliches fachärztliches Gutachten zu erhalten, das den hohen Anforderungen gerecht wird, welches von den Verwaltungsgerichten gefordert wird.